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Heinrich Lübke (* 14. Oktober 1894 in Enkhausen/Sauerland; �* 6. April 1972 in Bonn) war ein deutscher Politiker (ZENTRUM, später CDU).
Er war von 1953 bis 1959 Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und von 1959 bis 1969 Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.
Wer wissen will, mit welchen Weisheiten Herr Lübke die Nation und die Welt beschenkte, findet hier (http://www.heinrichluebke.de/helmstedt.html) eine Auswahl seiner schönsten Sprach-Schöpfungen.
Am 13. März 1964 war Heinrich Lübke beim "44. Liebesmahl des Ostasiatischen Vereins" (auf Tradition des kaiserlichen Ost-Asien-Geschwaders zurückgehendes Herrenessen) in Hamburg und hielt - offenbar völlig unvorbereitet - eine Tischrede, in der er vor allem von seinen zahlreichen Reisen erzählte:
In Persepolis steht noch eine alte Burg, wie die heißt habe ich vergessen, und gebaut hat die der Darius oder Xerxes, ich weiß das nicht so genau.
Indonesien besteht aus Inseln, die liegen teils nördlich, teils südlich vom Äquator, und dazwischen ist eine Menge Wasser.
Dann kamen wir nach Teheran ... und da habe ich gleich gesehen, die Leute waren alle sauber gewaschen.
Sukarno wollte ich erst gar nicht besuchen, denn das sollte ja so ein schrecklicher Mensch sein, aber dann habe ich ihn kennengelernt und festgestellt, dass er ein ganz prächtiger Kerl ist.
Ich habe gesagt, Herr Schah, Sie verstehen nichts von Wirtschaft.
Der Schah ist ein sehr netter Mann. Er hat mich auch auf die Entwicklungshilfe angesprochen. Er ist der Ansicht, wir sollten lieber weniger Ländern Entwicklungshilfe geben, dafür aber mehr. Er hofft natürlich, dass er dann dabei ist.
Nach der ca. 55minütigen Rede wunderte sich Lübke über den zurückhaltenden Applaus: "Ihr Beifall ist ja nicht sehr stark und kommt auch ein bißchen langsam." O-Ton Erich Lüth (Pressechef des Hamburger Senats): "Das Entsetzen unter den Anwesenden war allgemein." Der CDU-Bundestagsabgeordnete Erik Blumenfeld nannte den Vortrag Lübkes "eine geradezu fürchterlich naive, von geistiger und sprachlicher Armut zeugende Rede". Blumenfeld versuchte daraufhin verstärkt, die Wiederwahl Lübkes abzuwenden (vgl. "Der Spiegel" vom 20.5.1964).
Lübke war zwar eine ehrliche Haut, aber dafür ein "etwas schlichtes " Gemüt.
Ich habe das Bundespräsidialamt angerufen, mit Heinrich Lübkes Biografen gesprochen, mehrere Rundfunkarchive durchforsten lassen und Afrikaexperten befragt. Ergebnis: Jeder kennt das Zitat, die meisten hätten es Lübke auch zugetraut, es wird sogar genau datiert auf einen Staatsbesuch in Liberia im Jahr 1962 - aber es gibt keinen Beleg dafür!
Das berühmte Zitat findet sich weder auf der Schallplatte ... redet für Deutschland noch in dem Bändchen Worte des Vorsitzenden Heinrich. Wolfgang Koßmann vom Bundespresseamt, der selbst seit Jahren nach einer Quelle forscht, hält den Ausspruch denn auch für "gut erfunden".
Schließlich hat das Exstaatsoberhaupt gerade in Entwicklungsländern kaum ein Fettnäpfchen ausgelassen, etwa als er in der madagassischen Hauptstadt Tananarive eine Rede mit den Worten "Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Frau Tananarive!" begann und später über das Land sagte: "Die Leute müssen ja auch mal lernen, dass sie sauber werden."
Muss man Lübke demnach als üblen Rassisten einstufen? Da widerspricht der Filmemacher Martin Baer, Autor der Dokumentation Befreien Sie Afrika!, vehement: "Mit seinen Afrikareisen wollte er die Hilfe für die damals nach Unabhängigkeit strebenden oder gerade unabhängig werdenden Länder fördern." Wenn Lübke also zu mauretanischen Abgesandten sagte: "Ich wünsche Ihnen eine gute Entwicklung da unten", dann klingt das für unsere Ohren vielleicht unerträglich paternalistisch, aber es kam gewiss von Herzen.
Trotz vieler Reisen blieben die fernen Länder Lübke immer fremd. So war er im April 1967 froh, in die Heimat zurückzukehren: "Nach meiner Asienreise hat mich die frische, raue Luft des Sauerlands umgeschmissen."
Dass seine Reden häufig nicht die gewünschte Wirkung erzielten, war auch Heinrich Lübke bewusst. Seinen Beratern drehte sich der Magen um, wenn Lübke "vom vorbereiteten Manuskript abwich und 'frisch drauflos improvisierte', sich dabei häufig verhaspelte oder 'Banalitäten sagte'." (Morsey, S. 386)
Dagegen meint Johannes Hermanns: "Selbst in der sichtbaren Hemmung, die Heinrich Lübke vor dem Auge der Fernsehkamera befällt, und in der unpathetischen, spröden Art seines Vortrags sind immer das tiefe Empfinden und die Anteilnahme spürbar, die ihn mit dem Gesagten jeweils verbinden. Seine ruhige, leidenschaftslose Art zu sprechen - rhetorische Floskeln finden sich in seinen Reden nie - nimmt den Zuhörer um so stärker gefangen, sobald er begriffen hat, dass der bewusste Verzicht auf glanzvolle sprachliche Ausschmückung es ihm erlaubt, sich ganz auf die Substanz der Worte zu konzentrieren." (Hermanns, S. 12)
Heinrich Lübke
* Meine Mutter gab mir vor Reden immer Rotwein mit Ei, damit meine Stimme besser klingt.
* Das freie Wort schlägt unter uns Brücken von Mensch zu Mensch.
* Ich bin erstaunt über das Niveau der Vorträge, die hier gehalten werden. Aber man ist ja auch nicht verwöhnt.
* Es ist sehr schwierig, jedesmal eine neue Rede zu erfinden.
* Sie müssten eigentlich mehr Beifall spenden, weil ich zwischendurch trinken muss, um meine Stimme zu schonen.
* Ich soll ja nicht mehr frei reden.
* Das Rednerpult war für meinen Vorredner Gerstenmaier hergerichtet. Darum war der Abstand zwischen meinen Augen und dem Manuskript zu groß. [nach einer Rede, bei der er sich mehrfach versprochen hatte]
* Da hört niemand zu, was? Können Sie meine Stimme hören?
Damals schlug jemand vor, die Intelligenz fortan in der Maßeinheit "Lübke" zu bemessen.
(Jaja, man hielt so viel von ihm )
So sollte eine Maus zum Beispiel drei Lübke haben.
(Ein Witz den mein Vater gern erzählt.)
Nun lösch diese Beiträge nicht wieder, Katinka, die sind gut!
Viele Leute sagten ja damals, daß Lübke nicht einmal EINEN Satz bündig und korrekt auf die Reihe bekäme.
Aber das stimmte gar nicht!
So hat ein Augenzeuge bestätigen können, dass er am Frühstückstisch einmal sagte:
"Wilhelmine, gib mir bitte ein Brötchen".